Zu bestimmten kirchlichen Feiertagen ist es guter Brauch, dass Schulklassen mit ihrem Lehrer oder ihrer Lehrerin den Gottesdienst besuchen. So macht sich auch der Lehrer Karl Schneider in einer Kleinstadt in der Lüneburger Heide mit seiner Abschlussklasse auf den Weg zur Kirche, um an einem Gottesdienst teilzunehmen.
Es regnet an diesem grau verhangenem Herbsttag und Schüler und Lehrer sind froh, endlich ins Trockene zu kommen. Dir vorderen Kirchenbänke sind durch die Schülerinnen und Schüler schnell besetzt, die Jugendlichen machen den Großteil der Kirchenbesucher aus. Lehrer Schneider kennt seine Schäfchen und so hält er Ausschau nach dem größten Rüpel seiner Klasse, der immer für eine Überraschung gut ist. Nach einigem Sucher erspäht er ihn, er hat in der zweiten Reihe Platz genommen. Der Lehrer zwängt sich durch die dicht besetzte Kirchenbank und bittet die Schülerinnen und Schüler ein wenig zusammenzurücken. Direkt neben dem für seine Streiche bekannten Jugendlichen nimmt er Platz, um ihn gut im Auge zu behalten.
Der Gottesdienst läuft wie gewohnt ab, doch nichts Auffälliges geschieht. Die Schülerinnen und Schüler scheinen der Predigt des Pastors aufmerksam zu folgen, auch der neben Lehrer Schneider sitzende Schüler verhält sich unauffällig. Doch plötzlich bemerkt der Lehrer aus den Augenwinkeln, wie unter dem Kragen der Lederjacke des Schülers eine Ratte herauskrabbelt und dem Schüler über die Schulter läuft. Angewidert ruft der Lehrer: „Was macht denn die Ratte hier?“ „Die will Gottes Wort hören,“ so der Schüler.
Ja, es fällt auch einem berufserfahrenem Lehrer mitunter schwer, schlagfertig das richtige Gegenargument zu finden.